Zeitarbeit: Chance oder moderne Sklaverei?

Als ob es eine ganz normale Stelle wäre bewirbt man sich dort und kurz darauf sitzt man in Räumlichkeiten, die wie ein kleines Arbeitsamt wirken und füllt einen Fragebogen aus. Fragen, die man selbst haben könnte werden eher abgwimmelt, allenfalls halbherzig und ausweichend beantwortet. Je nachdem wie der Personaldienstleister ausgelegt ist ( regional, national, international ) und als wie mobil und reisefreudig man sich selbst deklariert hat muss man damit rechnen mal mehr mal weniger weit weg vom Heimatort verwendet zu werden. Besiegelt wird der Vorgang mit einer Unterschrift auf den Personalbogen. Fortan ist man bei der Zeitarbeitsfirma gemeldet und bereit als deren Angestellter in Betrieben zu arbeiten.
Es dauert meist nicht lange, bis man vom Arbeitsamt auf die Zeitarbeitsfirmen verwiesen wird.
Man möge sich dort doch bewerben wird einem geraten. Es gibt nicht selten einen Bogen mit sehr allgemeiner Stellenbeschreibung und als Betriebsart wird Überlassung von Arbeitskraft angegeben für den entsprechenden Zwang sorgt eine „Rechtsfolgebelehrung“, die klarstellt, dass man sich zu bewerben hat wenn man nicht mit Verminderung oder gar Sperrung der Leistungen rechnen will.
Laut Verfassungsartikel 12 haben zwar alle Deutschen das Recht Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen und natürlich darf niemand zu einer Arbeit gezwungen werden es sei denn man ist im Rahmen eines Freiheitsentzuges richterlich dazu verurteilt, doch offenbar versteht man unter der Androhung einer Leistungskürzung bzw. einer Sperrung jeglicher Leistungen über einen gewissen Zeitraum, zumindest in den Kreisen der Arbeitsvermittler, keinen Zwang zur Annahme bestimmter Arbeiten. Nicht wenige sehen in dieser Praxis jedoch einen klaren Bruch der Verfassung.

Bewirbt man sich bei einem regulären Betrieb so unterschreibt man einen Arbeitsvertrag und bekommt gemäß diesem Vertrag sein monatliches Gehalt. Nicht so bei einer Personaldienstleistungsfirma, hier signalisiert die Unterschrift lediglich eine Art gegenseitiger Bereitschaft, wobei zumindest der zu Vermittelnde nicht ganz freiwillig unterschrieben hat, denn dem lässt ja die Rechtsfolgebelehrung der Agentur für Arbeit kaum eine andere Wahl.
Eine Reihe von Betrieben arbeitet bei Neueinstellung nach eigenen Aussagen „gern mit Zeitarbeitsfirmen“ zusammen. Im Einzelfall kann das bedeuten, dass es von so mancher Firma gar nicht mehr erwünscht ist, dass man sich direkt dort bewirbt.
Die Personaldienstleistungsfirmen vermitteln nun ihre auf Abruf bereiten potentiellen Arbeitnehmer in Stellen, die sie aufgrund von Recherche oder entsprechender Kooperation mit geneigten Firmen vorweisen können.
Erst jetzt ist der „Arbeitnehmer der Reserve“ wirklich in Lohn und Brot. Die Personaldienstleistungsfirma regelt das Angestelltenverhältnis und kassiert stellvertretend den Lohn den der Arbeitnehmer verdient hätte von der Arbeit bietenden Firma, behält sich einen Teil ein, führt Sozialversicherungsbeiträge ab und gibt den Rest an den Arbeitnehmer weiter. Klar ist, dass durch diese Praxis der Lohn zwangsläufig geringer ausfallen muss als bei einem regulären Arbeitsverhältnis was dann zu Arbeitnehmern unterschiedlicher Klasse in den Betrieben führen muss, da ein auf herkömmliche Weise angestellter Arbeitnehmer für die gleiche Arbeit schlicht mehr Nettolohn mit nach hause nimmt als ein Leiharbeiter. Gleichzeitig ist der Leiharbeiter obwohl er betrieblich wohl ähnliche Kosten verursacht für den Betrieb attraktiver, da der Angestellte der Zeitarbeitsfirma ja jederzeit gekündigt werden kann wenn seine Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird. Bei höherem Risiko seine Stelle zu verlieren hat man also auch noch weniger Vergütung.
Der dabei für den Angestellten abfallende Lohn ist meist eher als gering zu werten. Die Spannen liegen so in etwa zwischen 5 und 9 Euro in der Stunde wobei man die Kosten für Anfahrt selbstverständlich selbst zu tragen hat.
Die Zeitarbeitsfirma bietet eine Dienstleistung, wie bereits vorhergehend näher ausgeführt kann eine solche Dienstleistung kurzfristig von den Firmen, die Personal von Dienstleistern beziehen abgerufen und auch wieder gekündigt werden im Gegensatz zu der Arbeitsdienstleistung die von direkt Angestellten, die ja durch Kündigungsschutzregelungen vor all zu willkürlichem „hire&fire“ behütet werden, erbracht wird. So scheint also das Hauptprodukt der Personaldienstleistungsfirmen vor allem ein Aushebeln des Kündigungsschutzes zu sein.
Nach Beendigung des Arbeitseinsatzes bei einer „Kundenfirma“ verbleibt der Angestellte nur dann in seinem Arbeitsverhältnis beim Personaldienstleister wenn entsprechende Möglichkeiten für Folgeeinsätze gegeben sind ansonsten wird das Arbeitsverhältnis gekündigt. Da Zeitarbeitsfirmen ihrerseits wieder dem Angestellten Gegenüber Kündigungsschutzregelungen einhalten müssen wird häufig entsprechend getrickst.
Klar scheint wohl zu sein, dass Einsätze bei „Kundenfirmen“ des Dienstleisters in der Regel befristet sind und ebenfalls die Regel scheint es zu sein, dass man Phasenweise immer wieder in die Arbeitslosigkeit zurückfällt.
Arbeitet man lang genug bei einer Zeitarbeitsfirma so erwächst daraus ein entsprechender Anspruch auf weiteres oder erneutes Arbeitslosengeld I wobei das natürlich in einem grossen Teil der Fälle bedeuten kann, dass der Anspruch auf Alg I geringer ist als der vorherige Anspruch, da sich ja der Anspruch nach dem Letzten Verdienst in einem Gewissen Zeitraum beläuft. Ist man etwa Alg II Bezieher und hat man nicht lange genug bei einem Dienstleister Arbeiten können bleibt einem nichts anderes übrig als die Beantragungsprozedur erneut über sich ergehen zu lassen.
Dabei entstehen leider oft Bearbeitungsbedingte Versorgungslücken.
Obwohl häufig versucht wird die Zeitarbeitsfirmen als attraktives Sprungbrett in erneute Beschäftigung darzustellen, da man ja bei entsprechendem Engagement die Möglichkeit hätte fest von der Kundenfirma Übernommen zu werden und überdies ja die eigene Qualifikation sich verbessern würde durch die vielfältigen Betätigungsfelder, was wiederum zu verbesserten Chancen einer längerfristigen Übernahme führen würde, scheint dies wohl eher die Ausnahme zu sein. In der Regel bedeutet das Arbeiten bei einem Personaldienstleister vor allem ein Pendeln zwischen Geringbeschäftigung als Hilfsarbeiter und Arbeitsloigkeit.

3 Kommentare

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Anmana
16. Oktober 2005 um 13:57

Nicht nur das Arbeitsamt verweist darauf, auch das sozialamt verweist fröhlich auf solche Firmen
Getreu dem Motto:“Knechte bis Du blutest“

McPhlogiston
19. Oktober 2005 um 15:45

Gute Recherche! Habe hier noch eine zusätzliche Info (echte Erfahrungen meines Ex):
Eine besonders beliebte Art des „Tricksens“ geht so: Der Arbeitsvertrag geht lediglich über 30 Wochenstunden. Dafür wird volle Bezahlung, auch in Zeiten garantiert, in denen die Firma dem Mitarbeiter keine Arbeit vermitteln kann. Hört sich zunächst gut, sogar irgendwie sozial an.
Beim Einsatz in einer Kundenfirma wird dann 40 bis 50 Stunden pro Woche gearbeitet. Der Lohn wird nur für 30 Wochenstunden gezahlt und der Rest geht in einen Stundenpool, der für die Zeit angespart werden muss, wenn keine Aufträge da sind. Im Normalfall sind das 150 bis 200 Stunden. Mit dieser Menge an Stunden kann die gesetzliche Kündigungsfrist sehr gut eingehalten werden, ohne dass der Gekündigte noch einmal für die Firma tätig werden muss.
Was noch viele Arbeitslose in Bedrängnis bringt ist, dass die Löhne statt am Letzten des laufenden Monats erst am 15. oder gar am 20. des Folgemonats ausgezahlt werden. Begründung ist stets, dass die Kundenfirmen erst nach erhalt der Stundenzettel zahlen, die in beiden Firmen Bearbeitungszeit brauchen. Oft stellt sich für den Arbeitnehmer dann die Frage, wer denn die Miete im ersten „Folgemonat“ zahlt…

Stefan
30. September 2006 um 20:18

Was habt Ihr erwartet von einer amerikanischen Idee? Ich war selber 3 Jahre bei einem Sklavenhändler. Auch wenn es heute Leiharbeit/Zeitarbeit/Personal blablabla heisst, ist es immer das gleiche. Was mich nur wundert, ist das unsere blöde Regierung glaubt, damit alle Probleme zu lösen. Selbst das ZDF hat nichts gutes berichtet.
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,2047966,00.html
Trotzdem wird es diese Leute immer geben, und sie verdienen am Leid und der Not der Leute.

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