Wie Feinde zu Samaritern werden

Dieses Mal hatte ich mit zwei Freunden eine nette kleine Runde. Der eine hat die Angewohnheit, seinen Gesprächspartnern hin und wieder eine Quizfrage zu stellen. Zwei hatte er an jenem Abend schon gestellt, über Film und Kino – und beide konnte ich nicht beantworten. Doch überraschender Weise reichte er trotzdem den Ball an mich weiter: ich solle doch eine Quizfrage stellen. Steilvorlage. Und so politisch interessiert wie ich bin, musste die Frage eben aus der Politik stammen.
Hurrican Katrina hat seine verheerenden Spuren in Louisiana hinterlassen und international wurde den USA Hilfe zugesagt. Zwei Staaten boten ihre Unterstützung an, mit denen man eigentlich nicht rechnen würde, da ihr Verhältnis zu den USA spannungsgeladen ist. Welche waren es?
„Irak.“ „Iran.“ „Afghanistan.“ „Pakistan. “ Aber das waren Antworten, mit denen ich nicht zufrieden sein konnte. Ich lenkte die Aufmerksamkeit auf Lateinamerika. „Kolumbien.“ „Mexiko.“ „Guatemala.“ Nun war ich selber überrascht. Wer kann sich überhaupt nicht mit der Regierung in Washington, doch Venezuela und Kuba! Und Kuba, das habe ich behalten, wollte 1700 Ärzte zur Verfügung stellen.
Wie barmherzig die Angebote nun wirklich waren, das sei zur Debatte gestellt. Der Riese USA ist verwundbar. Nicht nur der Irakkrieg trifft ihn, nun zudem eine Naturgewalt, die Kuba ebenfalls treffen kann, in gewisser Weise haben diese beiden verfeindeten Staaten ein gemeinsames Los. Könnte dies in Zukunft zum Auftauen der Beziehungen zwischen Kuba und USA führen?
Das fürchterliche Erdbeben im Kaschmir ‚unterstützte‘ die beiden Erzkontrahenten Indien und Pakistan in ihren Annäherungen. Man hilft sich gegenseitig: beide Staaten wurden verwundet und gleichzeitig zu Samaritern. Eine Ironie der Weltgeschichte. Werden in Zukunft alljährliche Katastrophen hohe Mauern zwischen Staaten und verfeindeten Gruppierungen allmählich zusammenfallen lassen? Wenn es doch auch ohne sie öfter klappen würde. Mutter Erde frägt allerdings nicht.

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