Die Profiteure

Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist dramatisch und für viele eine persönliche Katastrophe. Für wieder andere ist genau diese Situation ein Segen.
Personaldienstleistungsfirmen grasieren regelrecht in Deutschland. Kein Wunder denn der „Rohstoff“ Arbeitskraft ist billig und wird vom Staat per Gesetz in die Arme der zwischen Arbeit und Arbeiter geschalteten Firmen gezwängt und Kundschaft für dieses Produkt ist willig. Das Produkt der Personaldienstleistungsagenturen: Arbeitnehmer zum Niedriglohn, ohne Anspruch auf Kündigungsschutz ( zumindest nicht beim letztendlichen Arbeitgeber der künftigen Kräfte ) und zwangsläufig bereit alles zu tun ( bei Verweigerung drohen Sanktionen durch den Staat ).
Dabei wird es immer häufiger, dass man sich seitens der Zeitarbeitsfirmen sogar um die paar Euro zu drücken versucht, die anfallen würden, wenn man vom zu vermietenden Arbeitnehmer telefonisch Informationen abfragen würde, die zur Vermittlung nötig wären.
„Wir haben Sie telefonisch nicht erreicht“ heisst es da lapidar in einem Brief im Wert von 55 Cent „Bitte rufen Sie uns zurück“ doch das Telefon zeigt keinen einzigen Anruf in Abwesenheit und dabei war der angeschriebene doch ohnehin die meiste Zeit auch erreichbar. Daten wie die Briefanschrift habe man vom zuständigen Arbeitsamt erhalten.
Diverse Akademien für Weiterbildung erfreuen sich bester wirtschaftlicher Gesundheit, da man ja mit relativ wenig Know-How immer noch eine der bekannten Maßnahmen für die Agentur für Arbeit anbieten kann. Computerkurse in denen den Arbeitslosen gezeigt wird wie man Ordner in Windows anlegt oder ein Word-Dokument öffnet und schließt, wie man E-Mails öffnet und verschickt. Wenn man als ausgebildete IT-Kraft dann die so erworbenen Fähigkeiten überprüft stellt man häufig fest, dass die Weiterbildungsmaßnahme nicht das Papier wert war auf dem das Arbeitsamt den Zwang formuliert hat diese Maßnahme zu besuchen.
Doch scheint es letztlich egal was diese Maßnahme den Arbeitslosen bringt, denn zumindest dem Veranstalter hat sie eine Menge Geld gebracht und um Kundschaft braucht man sich nicht zu sorgen, die wird vom Staat zwangsrekrutiert.
Als Gemeinnützig anerkannte Träger und Kommunen können 1€-Stellen bieten und bekommen diese auch und dazu noch einen netten Zuschuss. Kein wunder also, dass es attraktiv erscheint etwa Altenpfleger in einem Heim abzubauen und sie durch 1€-Jobber zu ersetzen wo doch ein solcher Billigarbeiter nicht nur seine Stelle vom Staat bezahlt bekommt sondern darüber hinaus auch noch einen finanziellen Zugewinn bedeutet. Interessanterweise sind die Entlassenen und als 1€-Jobber neu Eingestellten nicht selten die gleichen Leute.
Das mag sich anhören als sei es so nicht im Interesse des Gesetzgebers und in der Tat ist das auch nicht Legal ( obwohl selbst Lehrer auf 1€-Basis schon gefordert wurden und somit Staatliche Stellen zumindest durchaus gefallen an den Billigkräften finden und man in entsprechenden Ministerien wohl auch Sympathie für solche Vorgehensweisen hat ) , dennoch geschieht es immer wieder. Die so an der Nase herumgeführten Arbeitnehmer wissen oft nicht, dass sie sich gegen solcherlei Mißbrauch auch zur Wehr setzen könnten.
Dabei müsste man ja gar nicht über die Grenzen des Erlaubten gehen. In legalisierter Form gestaltet sich das ganze etwa wie folgt: Eine Sozialpädagogenstelle für ein Jugendzentrum ist als befristet ausgeschrieben. Nach einiger Zeit wird der Vertrag des angestellten Sozialpädagogen nicht mehr verlängert ( der Mensch wird als nicht in dem Sinn gekündigt, der Vertrag wird schlicht nicht erneuert. ) dafür holt man sich nun eine 1€-Kraft mit der selben Qualifikation. Der nun arbeitslose Sozialpädagoge hat keine Möglichkeit sich gegen den Vorgang zur Wehr zu setzen.
In den Arbeitsämtern kümmert man sich um solcherlei Geschehen wenig. Oft leugnet man Zuständigkeit, stellt sich unwissend oder ist es gar ( nach all den Novellierungen hat man oft den Eindruck in den Ämtern würden sich die Mitarbeiter selbst nicht mehr auskennen ) .
Auf Ebay bieten sich Handwerker zum Hungerlohn an und kommerzielle Job-Börsen florieren weil das „Produkt“ Arbeitsstelle halt so hoch im Kurs steht.
Beraterfirmen haben den Markt überschwemmt, denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten will ja jeder Betrieb effizienter sein. Selbst der Staat stopft den Beratern Steuergelder in den Rachen. Manchmal freilich könnte man lapidar sagen wäre die erste und beste Einsparung den Vertrag der Beraterfirma nicht zu unterschreiben.
Ironischerweise profitiert so mancher von der Arbeitslosigkeit und böse Geister könnten sich fragen, ob die Situation sich überhaupt ändern darf wo doch schon so viele Arbeitsplätze durch die Arbeitslosigkeit geschaffen worden sind.
Quelle: Betroffenenberichte

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