Litanei von der Vollbeschäftigung

Wie auch schon ihre Vorgängerregierungen schreibt sich die große Koalition als oberste Maxime den Abbau der Arbeitslosigkeit, die Schaffung von Arbeitsplätzen auf die Fahne. Auch der gestern mit militärischem Brimborium verabschiedete Bundeskanzler trat mit dem realitätsfernenVersprechen an, die Arbeitslosenzahlen zu halbieren, daran wollte er seine Politik messen lassen. Vollbeschäftigung gab es hierzulande für eine kurze Zeit in den 60ern- seitdem steigen parallel zu erhöhter Produktivität und zunehmender Automatisierung auch die Arbeitslosenzahlen an.
Aber weils so gut klingt und man das Argument „Arbeit“ bestens zum Abbau sozialer Leistungen instrumentalisieren kann, gibt man der Bevölkerung immer noch die Illusion der „Vollbeschäftigung“, an die sowieso kaum noch jemand glaubt.
Diesem Thema widmete sich kürzlich das Magazin „Panorama“ in einem Bericht unter dem Titel „Arbeit für alle! – Das Märchen von der Vollbeschäftigung“ .
Während durch die Bank weg alle interviewten Politiker, obwohl die Realität sie Tag für Tag eines besseren belehrt, die Vollbeschäftigung als machbar verkauften, äußerten sich Kritiker wesentlich differenzierter:
Prof. Wolfgang Engler,
Arbeitsmarktexperte:
„Ich halte das für ganz und gar unrealistisch. Und erstaunlich ist, dass das ja in der Tat
nicht nur alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind, betrifft, sondern da kann man
getrost die Unternehmerverbände, die Gewerkschaften, ihre Repräsentanten jedenfalls
einbeziehen. Das ist wie ein Einheitsdenken, wie ein Akt der Gläubigkeit, der da vollzogen wird.“

Auch der beliebte Fingerzeig ins Ausland, z.b. nach Großbritannien, der nach Meinung vieler Experten hinkt, wird angesprochen:
Prof. Wolfgang Engler,
Arbeitsmarktexperte:
„In Großbritannien reicht es, wenn man ganz wenige Stunden bis hinab zu einer
wöchentlich arbeitet, um aus der Arbeitslosenstatistik rauszufallen, das heißt, als jemand
zu gelten, der arbeitet, der Arbeit hat. Zum Zweiten: Wenn man dort aus den
Fürsorgesystemen herausfällt, dann gilt man, wie früher auch bei der Sozialhilfe in
Deutschland, schlicht und ergreifend nicht als arbeitslos.“

Anstatt sich den Realitäten zu stellen, das es sich für die meisten mehr oder weniger ausgearbeitet hat und darauf adäquat mit einem Bürgergeld zu antworten, macht man den Bock zum Gärtner und den Irrsinn zum offiziellen Programm.
„Doch weil die neue Regierung genau wie die Alte den Traum von der Vollbeschäftigung
träumt, bleibt alles beim Alten. Es wird nicht weniger Arbeitslose geben, nur der Druck auf
sie wird weiter steigen. Die Arbeitslosen: Opfer einer Politik , die die Wirklichkeit verleugnet.“

1 Kommentar

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forcemagick
21. November 2005 um 11:20

arbeitslosigkeit bekämpfen in deutschland indem man versucht menschen zum umzug zu „überlisten“ für einen kurzfristigen job bei einer zeitarbeitsfirma…
die maßnahmen in deutschland zur bekämpfung der arbeitslosigkeit sind allenfalls als hilflose kosmetikprojekte zu bezeichnen, die sich im einzelfall als existenzvernichtende schikane erweisen, nebenbei ist der blödsinn auch noch sauteuer, denn die agentur für arbeit bringt es ja fertig nicht nur arbeitslose zu zwingen sich im zweifelsfall auch zum vierten mal durch die gelben seiten zu bewerben und das letztlich wenigstens zum stolzen teil zu bezahlen sondern man finanziert ja den leuten auch im fall der fälle einen umzug in die nähe des kurzzeitarbeitsplatzes.
durch die förderung von zeitarbeitsfirmen und ultrakurzbefristeten stellen ( manch einer arbeitet ja denn auch nur zwei wochen bei einer solchen zeitarbeitsfirma ) schafft man allerdings keine tatsächlichen und dauerhaft selbstständige bürger…. der mensch bleibt am tropf des staates doch hat er bis dahin unter umständen seine einst günstige wohung verloren und enorme gelder verbraucht beim umzug.
was für einen sinn macht es, wenn menschen im werte von etwa zwei oder drei monatszahlungen des arbeitsamtes umziehen nur um dann nach nicht einmal einem monat wieder zusätzlich zu den umzugskosten die gleichen kosten wie zuvor zu verursachen.
ach ja… man hat für den zeitraum der abmeldung bei dem einen amt über die kurze arbeitsphase bis hin zur neuanmeldung des arbeitslosen am neuen ort wieder einen aus der statistik gebracht.
wir brauchen nicht maßnahmen um die arbeitslosenzahln zu schönen, sondern wir brauchen eine lösung für die zukunft

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