Facetten Internationalistans

In Internationalistan geht es mal subtil, mal hinterhältig, mal scharfkantig, mal explosiv zu.
Aktuell: die Entführung der Archäologin Susanne Osthoff. Sie ist die erste Deutsche im Irak, die entführt worden ist. Ihre Kidnapper sind schwer einzuordnen: sie weisen einzelne sonst typische Merkmale nicht auf, stellen aber per Video ihre politischen Forderungen. Bezeichnend ist der Zeitpunkt ihrer Entführung, zwar nicht gleichzeitig mit dem Regierungswechsel oder mit dem Antritt des Außenministers Steinmeier zur US-Reise, aber in zeitlicher Nähe. Schon zuvor haben sich Terroristen gezielte Zeitpunkte ausgesucht, um Einfluss auf die Politik einzelner Staaten zu nehmen, so zum Beispiel beim Anschlag in Madrid, der weitreichende politische Folgen haben sollte, nicht zuletzt durch die Reaktion Aznars, der daraufhin in den Wahlen sein Amt verlor.

Deutschland hat sich im Gegensatz zu Spanien nicht militärisch im Irak engagiert. Die BRD beteiligt sich am Aufbau demokratischer Strukturen im Irak, bildet Polizei aus, auf internationaler Bühne bemüht sich die Bundesrepublik um mehr Recht in der Terrorismusbekämpfung, doch nun erfährt sie einen Direktangriff auf ihre Politik. Die Politik der Bundesrepublik harmoniert keineswegs immer mit der US-Strategie: Frau Rice teilte Herrn Steinmeier mit, dass die USA mit Feinden des Rechts auf Guantanamo angemessen umgehe. Das kann allerdings nicht die Überzeugung der BRD sein.
Ein weiterer Fall handelt um die prekären Beziehungen zwischen dem Iran und Kanada. Erst kürzlich machte der iranische Präsident Ahmadinedschad Kanada dafür verantwortlich, Terror im Iran zu unterstützen. Für seine verbalpolitischen Fehlgriffe hat sich Ahmadinedschad einen Namen gemacht, doch dass er sich Kanada für eine Attacke auserkor, mag manchen überraschen. Tatsächlich sind die Beziehungen beider Länder abgekühlt, besonders aufgrund einer Begebenheit, dem Tod der iranisch-kanadischen Fotografin Zahra Kazemi in iranischer Haft im Jahre 2003. Seitdem dauert die juristische Aufarbeitung an. Es kam zu einem Freispruch eines Geheimdienstmitarbeiters und der Schuldige ist nicht gefunden, obwohl iranische Behörden einräumen mussten, dass Kazemi im Gefängnis geschlagen worden war (sprich Staatsterror erfahren hatte). Der Tod der Fotografin wird weiterhin untersucht. Kanada wägt seine Optionen ab, aber welche Optionen bleiben eigentlich? Die iranische Regierung zeigt sich im Fall Kazemi nicht kooperativ und zielt auf Abriegelung und baut einer endgültigen Klärung vor, überhaupt befindet sie sich international auf Isolationskurs. Im Iran sehen sich Rechtsanwälte Repressalien ausgesetzt, die Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi wird mit dem Tode bedroht.
Weder hinterhältig noch subtil genug? Mehr Beispiele finden sich bestimmt.

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