Stromausfälle in NRW – RWE waren Sicherheitsmängel bekannt

Es mehren sich die Vorwürfe gegen den Energiekonzern RWE, das die Stromausfälle in NRW durch reihenweise umgeknickte Masten hausgemacht sind. Laut firmeninternen Papieren, auf die sich der Spiegel in einem Artikel zum Thema beruft, ist der Konzernriese seit Jahren über Sicherheitsmängel im Hochspannungsnetz informiert gewesen.
So war bekannt, das:
rund 60 Prozent aller Hochspannungsmasten im RWE-Versorgungsgebiet einen schwerwiegenden Materialfehler aufweisen und möglicherweise akut einsturzgefährdet sind;
viele Masten nicht einmal mehr 40 Prozent der normalen Zuglast standhalten, wobei die gesetzlich vorgeschriebene Norm deutlich unterschritten wird;
der erste Mann im Unternehmen seit Ende 2003 über die Zustände informiert ist: Konzernchef Harry Roels.

Denn sie wissen was sie tun: Intern wurden sogenannte Worst-Case-Szenarien aufgestellt, wonach es bei extremen Wetterlagen aufgrund der Materialfehler zu „flächenhaften Mastumbrüchen kommen“ könne, wobei allein die Wiederherstellung des Netzes rund 350 Millionen Euro kosten würde. Darüber hinaus kalkulieren die RWE-Manager sogar „strafrechtliche Haftungsrisiken durch Personenschäden“ ein. Sprich, das Menschen durch umfallende Masten und Hochspannungsleitungen verletzt oder sogar getötet werden könnten. So funktioniert das Business – für Profite geht man schon mal über Verletzte oder gar Leichen, obwohl es für RWE mit seinen ständig steigenden Gewinnen ein leichtes gewesen wäre, das marode Netz zügig zu überholen.
Seit Jahren fährt der Konzern durch ständig steigende Strompreise immer neue Rekordgewinne ein. Allein 2004 strich das Essener Unternehmen einen Gewinn vor Steuern von rund 3,7 Milliarden Euro ein.
Warum also ordnete Roels nicht unmittelbar die Sanierung des Gesamtnetzes an? Warum gab der RWE-Chef keine Informationen an Behörden und die Öffentlichkeit über den desolaten Zustand des Stromnetzes? An der Höhe der notwendigen Investitionen könne es kaum gelegen haben, glauben Insider. Roels scheute womöglich eventuelle Kursverluste an den Börsen, die sich aus Meldungen über ein Sicherheitsrisiko wohl fast unvermeidlich eingestellt hätten.

Kursverluste an den Börsen, verschreckte Anleger? Da heiligt der Zweck die Mittel, da muss die Sicherheit der Bevölkerung zugunsten des falschen schönen Scheins zurückstehen- hauptsache die Rendite stimmt.

2 Kommentare

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holo
4. Dezember 2005 um 14:17

Kann es sein, dass es solche Probleme grundsätzlich bei Aktiengesellschaften gibt? Druck der Aktionäre gegen „verträgliche“ Wirtschaft?

Schnarche
11. Dezember 2005 um 14:56

Alle haben über Amerika gelacht, als da in ein riesigen Teil das Stromnetz zusammen brach.
Alle sagten einhellig, dass das bei uns nicht vorkommen könnte.
Kann es scheinbar doch!
Das kommt davon, wenn Konzerne (mit Verweiß auf die Aktionäre) riesige Gewinne einstecken. Dieses mal hat man gesehen, dass die Gewinne auf kosten der Substanz ging.
Wer seine Infrastruktur nicht pflegt, der wird irgendwann keine mehr haben und kann dann auch keinen Strom mehr verkaufen. Dann nützen einen ein paar fette Jahre (bezogen auf den Gewinn) auch nichts mehr.
Bei aller Eigenverantwortlichkeit der Unternehmen sollte es doch eine Einflussmöglichkeit des Bundes geben.
Die Versorgung mit Energie, Wasser, die Infrastruktur (Strasse und Schien) und die Kommunikation, der Gesundheitsversorgung sind für ein Gemeinwohl (Staat) überlebensnotwendige Einrichtungen, die man nicht in die Hände von Leuten legen darf, deren Streben rein profitorientiert ist.
Was steht uns als nächstes bevor? Ausfall der Erdgasversorgung? Nein, die liegt ja nun in den Händen des „Ex-Kanzlers der ruhigen Hand“.
Aber vielleicht wird Bahn fahren nur noch zwischen München und Hamburg möglich sein und Klein Wellersdorf wird nur noch per Strasse erreichbar sein. Wenn genug Autos auf der Strasse fahren und sich deren betrieb für das Betreiberkonsortium rechnet.
Ich weiß das ist alle etwas überspitzt, aber man kann nicht alles unter dem Blickwinkel der Wirtschaftlichkeit betrachten.
Als wir noch das bestausgebaute Strassensystem Europas hatten, war das ein Standortvorteil, den wir bei einer Privatisierung in die Hände von Unternehmen legen, die ihre eigenen Interessen damit verfolgen können.
Mehr Schwarzmalerei möchte ich nicht betreiben, jeder sollte sich Gedanken machen, ob die gnadelose Privatisierung aller Staatsaufgeben sinn macht.

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