Deutsche Schulen unter UN- Beobachtung

Von diesem Montag an wird an den Bildungseinrichtungen der Bundesrepublik Vernor Muñoz unterwegs sein, um als Sonderberichtserstatter für die UN- Menschenrechtskommission zehn Tage lang die Chancengleichheit an deutschen Schulen sowie die Behandlung von Ausländern, sozial benachteiligten Kindern und Behinderten zu begutachten.

Nicht zuletzt die Auswertung der beiden weltweiten PISA-Studien hatte gezeigt, dass Bildungserfolg und soziale Herkunft von Kindern in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat so eng miteinander verbunden sind wie in Deutschland. Nachdem die Auswertung der zweiten PISA- Ergebnisse zu belegen schien, dass sich die Sítuation in Deutschland weiter verschlechtert, übten sich Vertreter des Lehrerverbandes sowie der großen Parteien in Relativierungen und verwiesen auf fehlende „Bildungswilligkeit“ bei den Schülern oder auch Veränderungen bei Messverfahen und Auswertung der PISA- Ergebnisse.
Obgleich sich die Reaktionen auf die letzten Auswertungen in Deutschland selbst in engen Grenzen hielten, wird nun zumindest in den nächsten zehn Tagen Muñoz für Gesprächsstoff sorgen, wenn er in Erfahrung zu bringen sucht, ob die Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem das Recht auf Bildung verletzt. Vernor Muñoz, ein aus Costa Rica stammender Jura- Professor, wird seine Deutschlandreise mit einem Gespräch beginnen, an dem neben der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auch Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD), Vizepräsident der Kultusministerkonferenz (KMK) teilnehmen wird. An den folgenden Tagen werden Besuche bei diversen Bildungsstätten sowie Gespräche mit Wissenschaftlern und Verbänden auf dem Programm stehen.
Die Netzeitung berichtete über bisherige Reaktionen auf den Besuch wie folgt:
„Offizielle deutsche Stellen möchten am liebsten über die UN-Visite gar keine Auskunft geben. Und auf Nachfragen wird bisweilen peinliche Betroffenheit bis hin zur Verärgerung deutlich, dass die UN-Kommission nach ihren Berichten über das Recht auf Bildung in Entwicklungsländern wie Botswana, Kolumbien und Indonesien nun ausgerechnet das hoch entwickelte Deutschland untersuchen will.“
Während der Bundeselternrats-Vorsitzende Winfried Steinert in der Untersuchung der UN-Menschenrechtskommission ein „Signal an Bund und Länder“ erkennt, „endlich die soziale Schieflage im deutschen Bildungssystem zu beseitigen“, konzedierte auch die Präsidentin der KMK und Bildungsministerin von Schleswig- Holstein, Ute Erdsiek-Rave (SPD) immerhin, „dass wir uns in Sachen Chancengleichheit und Förderung von Migrantenkindern noch mehr anstrengen müssen.“
Nach seinem Besuch wird Muñoz zunächst die UNO- Vollversammlung in Kenntnis setzen und im kommenden Jahr einen schriftlichen Bericht vorlegen.

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