Fördert das Antidepressivum Paxil suizidales Verhalten?

Einer US- amerikanischen Studie zufolge führt die Einnahme des Antidepressivums Paxil, das von GlaxoSmithKline (GSK) vertrieben wird, vermehrt zu Selbstmordversuchen und suizidalen Gedanken.

Im Rahmen der Studie wurden etwa 15.000 Patienten beobachtet, denen entweder Paxil oder ein Placebo gegeben wurde. Unter den 8.958 Paxil- Konsumenten wurden 11 Selbstmordversuche registriert, während in der Vergleichsgruppe, die aus 5.953 Patienten bestand, ein einziger Fall bemerkt wurde.
Die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch umstritten. GSK zufolge sollten die Zahlen „mit Vorsicht interpretiert werden“, weshalb nun vielerorts auf die Auswertung weiterer Studien über Antidepressiva gewartet wird. Bereits 2004 gab die US- amerikanische Food and Drug Administration (FDA) Warnungen heraus, durch den Konsum von Antidepressiva könnten suizidale Tendenzen gefördert werden, und forderte Ärzte auf, Patienten verstärkt auf eine Zunahme von Selbstmordgedanken hin zu untersuchen. Entsprechende Warnungen sind nun generell in die Produktbeschreibung von Antidepressiva aufzunehmen.
Psychiater wiederum kritisierten die Warnungen, da derartige Hinweise Eltern von der Behandlung ihrer Kinder mit entsprechenden Medikamenten abschrecken könnten.
In der New York Times ist nun zum Thema zu lesen, dass die von GSK durchgeführte Studie – die erste veröffentlichte ihrer Art von einem Pharmaunternehmen – wahrscheinlich einige Skeptiker überzeugen wird, „dass das Risiko real und nicht auf Minderjährige beschränkt ist.“
„Es ist nicht eindeutig, dass die Medikamente das Verhalten ausgelöst haben,“ bemerkte hingegen Dr. Kelly Posner von der Universität Columbia. Dr. John Kraus, der bei GSK für die klinische Forschung zuständig ist, gibt sich optimistisch und äußerte in einem Brief, dass der Konzern weiterhin davon überzeugt ist, der Nutzen des Medikaments wiege die Risiken auf. Auch der Aktienkurs von GSK zeigt sich bisher unbeeindruckt und steigt weiter.
GlaxoSmithKline ist in den letzten Monaten als Hersteller des Neuraminidase- Hemmers Relenza bekannt geworden, der neben Tamiflu unter anderem als Mittel gegen die Vogelgrippe vertrieben wird. In die Schlagzeilen kam GSK außerdem wegen umstrittenen Tierversuchen, sowie dem Vorwurf, den Preis für das Anti- AIDS-Medikament AZT durch niedrige Produktionsraten auf Kosten vor allem afrikanischer Länder in die Höhe treiben zu wollen.
GSK musste sich zudem im Juni 2004 vor Gericht mit dem Vorwurf auseinandersetzen, klinische Studien in Bezug auf Antidepressiva gezielt zu verhindern. Im folgenden Jahr wurden größere Mengen von Paxil CR und Avandamet, einem Mittel zur Behandlung von Diabetes, beschlagnahmt, da GSK Vorschriften zur Qualitätsicherung und Reinheit nicht einhielt. Die jüngste von GSK in Auftrag gegebene Studie wird nun teilweise als Versuch verstanden, eine gewisse Glaubwürdigkeit wieder herzustellen.

1 Kommentar

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lenny
6. Juli 2006 um 11:32

keine ahnung, wa?
vieleicht ja. vieleicht nein.

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