Von Konzernen und Versuchskaninchen

Während in den USA die Food and Drug Administration verklagt wird, herrscht in Indien ein heftiger Streit um die Zulassung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen.
Ein kurzer Überblick zu aktuellen Meldungen und Entwicklungen im Kontext der „Grünen Gentechnik“.

„Indien ist kein Versuchskaninchen“
Das indische Komitee für die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen (Genetic Engineering Approval Committee, GEAC) steht angeblich kurz vor der Entscheidung, den großflächigen Anbau von Bt Brinjal (eine transgene Auberginenart) in Indien zu erlauben. Nachdem in Indien zahlreiche Bauern, die sich überwiegend auf Monsanto- Saatgut verlassen hatten, nach schlechten Ernten Selbstmord begingen, scheint sich jedoch eine breite Allianz gegen die Anstrengungen der Biotech- Branche zu formieren. Diese Woche trafen sich Vertreter von führenden Bauern- und Medizinverbänden, Gruppen von Biobauern sowie Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen mit dem Gesundheitsminister Dr. Anbumani Ramadoss, um ihn zu überzeugen, dass Indien „kein Versuchkaninchen“ für Gentech- Organismen sei.
Konkrete Bedenken gegen Bt Brinjal umfassen u.a.:
– gesundheitliche Risiken, da es sich bei dem Bt- Toxin Cry1Ac um ein starkes Immunogen und bekanntes Allergen handelt. Bt- Baumwolle führt einer in Madhya Pradesh durchgeführten Studie zu gesundheitlichen Problemen beim Menschen, und es existieren mehrere Berichte über eine erhöhte Sterblichkeit von Schafen und Ziegen, die auf entsprechenden Feldern grasten.
– die mögliche Förderung von Antibiotika- Resistenzen, da in Bt Brinjal entsprechende Markergene benutzt wurden. Insbesondere der Streptomycin- resiste Marker wird nicht für die Verwendung in Pflanzen empfohlen, die als Nahrungsmittel dienen.
– gesundheitliche Bedenken in Bezug auf den Cauliflower-Mosaik-Virus (CaMV), der in Bt Brinjal als Promoter benutzt wurde, und ebenfalls sehr umstritten ist.
– verschiedene ökologische Gefahren, u.a. die Biodiversität betreffend.
– das Fehlen von überzeugenden Gründen, die für einen Anbau von Bt Brinjal sprechen, auch da es keine entsprechende Produktionskrise gibt.
Ob Bt Brinjal dennoch großflächig angebaut wird, ist noch unklar. Mehrere NGOs versuchen weiterhin, durch direkte Gespräche auf verschiedene Minister einzuwirken, um die Erlaubnis noch abzuwenden. An indischen Gerichten wird unterdessen die Rolle staatlicher Beamter untersucht, die Bt- Baumwolle massiv förderten und armen Bauern aufdrängten.
Bevorstehende Veränderungen in der US- Biopolitik?
Im Gegensatz zu vielen Ländern in Europa, Asien und Afrika scheinen die US- amerikanischen Verbaucher bisher kaum an der Debatte um „Grüne Gentechnik“ interessiert. Dementsprechend gibt es keine Kennzeichnungspflicht, kaum Regulationen oder Überprüfungen, und die mit Abstand größten Mengen von GVOs stammen aus den USA.
Zumindest das Bewußtsein der US- Bürger könnte sich jedoch künftig ändern, denn nachdem die US- amerikanische Food and Drug Administration (FDA) jahrelang nicht auf Appelle in Bezug auf die Regulierung und Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln reagierte, wird sie nun durch das Center for Food Safety (CFS) verklagt. Inzwischen erscheinen auch in großen Medien wie der New York Times kritische Artikel zum Thema.
Wie die Biotech- Konzerne auf eine veränderte Wahrnehmung der Thematik reagieren werden, ist abzusehen, denn auch in der Vergangenheit hielt man sich mit PR- Aktionen nicht zurück. Fraglich bleibt, ob die aktuellen Vorgänge ausreichend Öffentlichkeit bekommen, um zu den US- Verbrauchern vorzustoßen.
Dass sich mögliche Veränderungen innerhalb der Vereinigten Staaten auf die Versuche auswirken werden, über die WTO Druck auf GVO- kritische Länder auszüben, kann jedenfalls bezweifelt werden, auch da in einem solchen Fall wahrscheinlich der Bedarf an Exportmärkten für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel steigen würde.
Weitere aktuelle Meldungen
Der US- amerikanische Konzern Ventria Bioscience lässt der Peruvian Medical Association zufolge in peruanischen Krankenhäusern durch das Nutritional Research Institute Experimente mit gentechnisch verändertem Reis an Kindern durchführen. Anwälte versuchen nun, gegen die Versuche vorzugehen, während der peruanische Gesundheitsminister Pilar Mazzeti Informationen über die Vorgänge anfordert:
US laboratory testing transgenic rice with Peruvian children
Bei Telepolis wurde u.a. über Probleme mit Gentech- Soja und Roundup- resistenten Unkräutern berichtet:
„Soja ist ein Unkraut“
DiabeticNews.com veröffentlichte einen Artikel über die mögliche Verursachung von Diabetes durch GVOs:
Genetically Altered Corn May Cause Diabetes
In Deutschland wird mitunter kontrovers über GVOs diskutiert, während sich der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Horst Seehofer mit seinen Biotech- freundlichen Reformvorhaben bisher zügeln musste, EU- Richtlinien jedoch auf ihre Umsetzung in nationales Recht warten:
Grüne Gentechnik bleibt Aufregerthema
Desweiteren stieß die in Amerika weit verbreitete und in Europa diskutierte HDR- Strategie zur Verhinderung der Ausbreitung von resistenten Insekten auf wissenschaftliche Kritik:
Resistance Evolution to Bt Crops: Predispersal Mating of European Corn Borers

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