Simbabwe – Bröckelnde Macht im „Land der Steinhäuser“

Die autoritäre Willkür Präsident Robert Mugabes wird dem diktatorisch regierenden Präsidialregime, welches unter seiner eisernen Hand seit 27 Jahren Simbabwe regiert, langsam zum Verhängnis. Die schattenhaften Zeichen für einen Neuanfang in dem von Hunger und AIDS geplagten Land werden langsam deutlicher.
Obwohl Mugabe Anfang der 80er zumindest kurzzeitig aufgrund der Verbesserung der Lebensbedingungen und des Bildungssystems als Hoffnung der Schwarzen angesehen wurde, zeigte er recht schnell jene Erscheinung, für die er heute bekannt ist:Während UN und Amnesty Internatonal ihm mehrfachen Wahlbetrug vorwerfen(2002,2005) und Simbabwe im Dezember 2003 schließlich sogar aus dem britischen Commonwealth ausgeschlossen wurde, verherrlichte er sich selbst als Vater und Held der Nation, und baute einen Personenkult ähnlich dem von Adolfs Hitler auf, mit dem er sich in der Vergangenheit immer wieder gerne verglich. 2005 trug er sogar einen entsprechenden Bart.
Der heute 83-Jährige ließ seinen Stammbaum bis auf alte Stammeskönige des „Great Zimbabwe“ zurückführen, eines alten Shona-Königreiches, welches für seine großen Steinbauten bekannt ist und nach welchem Simbabwe heute benannt ist (Zimbabwe bedeutet in Shona in etwa „Steinhütten“). Seine Partei kontrolliert sowohl die Sicherheitskräfte, als auch alle Formen von Massenmedien.
Aufsehen erregte er 2005 mit der großangelegten Zerstörung von Vororten, die sich an den Stadtgrenzen simbabwischer Städte wie Harare und Bulawayo gebildet hatten. Raupen und Bagger ebneten ganze Stadtteile ein; mehr als 2,4 Millionen Menschen wurden dabei obdachlos. Der Name der von Mugabe angeordneten Maßnahme hieß übersetzt „Abfallbeseitigung“ – ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Anklage der Opposition, Mugabe wolle mit diesem Akt die Wählerschaft der Opposition verängstigen und in die von der Regierungspartei dominierten Stadtteile zurücktreiben, nicht aus dem Wind gegriffen ist. Andere harte Repressionen gegen die regimekritischen Kräfte fanden ebenso ihren Eingang ist das tägliche politische Leben Simbabwes wie die Diskriminierung und strafrechtliche Verfolgung von Homosexuellen.
Die humanitäre Krise ist aufgrund mangelnder Beobachter im Land weiterhin unüberschaubar. Manche Quellen besagen, dass in den letzten Jahren mehr als eine Million Menschen verhungert sein sollen. Die Inflation hat mit einer Steigerung um 1600% eine traurige Weltrekordhöhe erreicht, soll bis zum Ende des Jahres sogar noch die 4000%-Hürde knacken.
Doch die Macht des Regimes scheint zu bröckeln. Nicht nur die politische Gegenseite fährt härtere Geschütze auf, nein auch der Rückhalt aus der eigenen Partei scheint langsam zu schwinden. Heilt Simbabwe sich selbst, oder wird am Ende der Ära Mugabe nur wieder ein neuer Diktator stehen, ein neues Gesicht des alten Grauens?
Repressionen gegen die Opposition
Als vor mehr als zwei Wochen der Führer der Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) Morgan Tsvangirai schwer misshandelt aus Polizeigewahrsam entlassen wurde, erschallte ein harsches Echo der Internationalen Gemeinschaft, so zum Beispiel von der U.S.-amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice oder Angela Merkel. Er war bei einer Versammlung seiner Organisation festgenommen, ohne Anklage in Gewahrsam gehalten und anscheinendend grausam gefoltert worden, schwere Prellungen zeichnen bis sein Gesicht, ein Verdacht auf Schädelbruch hat sich zum Glück nicht bestätigt. Noch aus dem Krankenhaus bat Tsvangirai die Internationale Staatengemeinschaft um Hilfe für sein Land. Es war nicht der erste Fall dieser Art, schon 1997 war er vom staatlichen Geheimdienst fast zu Tode gefoltert worden.
Während der britische UN-Botschafter Sir Emyr Jones Parry forderte, die Angelegenheit vor die UN zu bringen, sprechen sich viele afrikanische Diplomaten jedoch dafür aus, die Vorkommnisse als eine afrikanische Angelegenheit zur betrachten und damit in den Wirkungsbereich der African Union (AU) zu verlegen.
Heute, am 28. März 2007, ist Morgan Tsvangirai erneut von der Polizei gefangen genommen worden, kurz bevor Präsident Mugabe auf dem Krisengipfel der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) die innenpolitischen Vorkommnisse seines Landes erklären will. Weitere Oppositionelle sollen ebenfalls verschleppt worden sein
Inzwischen hat auch der Erzbischof Simbabwes, Pius Ncube, zur offenen Rebellion gegen den Diktatoren aufgerufen. Mugabes Kommentar passt ihn sein Rollenverständnis als einen fast gottgleiche Herrscher: „Ich habe vor nichts Angst, noch nicht einmal vor so kleinen Burschen wie Bush und Blair.“ Dass diese Beiden sich um den größenwahnsinnigen Massenmörder kümmern, bleibt aufgrund anderer Internationaler Konflikte und anderer außenpolitischer Prioritätensetzung mehr als unwahrscheinlich und ist auch wohl eher als prahlende Anmaßung Mugabes zu sehen.
Parteiinnerer Widerstand
Inzwischen haben sich jedoch auch in seiner eigenen Partei Teile seines Regierungsapparates von dem grausamen Autokraten distanziert. Es scheint, als ob die Zanu-Partei inzwischen bereit ist, Mugabe zur Erhaltung Simbabwes und wohl auch zur Erhaltung ihres Machtapparates zu opfern.
Vizepräsidentin Joyce Mujuru und ihr Gatte, ein einflussreicher Militär, trafen sich mit ihrem südafrikanischen Pendant in Johannesburg, um von der Regionalmacht Südafrika, die den gesamten Süden des Kontinents politisch mehr oder weniger dominiert, Unterstützung für die Ablösung des Diktators zu erreichen, der noch bis 2010 weiterhin „Präsident“ seines Staates bleiben will. Zuvor hatte es schon innenpolitische Gespräche mit Tsvangirai gegeben. Ihr gemeinsamer Plan ist es, nach einem Sturz Mugabes die für den März des kommenden Jahres anberaumten Wahlen ordnungsgemäß und frei abzuhalten, während die MDC für humanitäre Hilfe aus dem Ausland wirbt, um das Staatsgefüge Simbabwe zumindest weitestgehend stabil zu halten.
Jedoch würde Robert Mugabe nicht verhaftet und vor einem Strafgerichtshof seiner Verbrechen angeklagt werden, sondern laut des Lösungsvorschlages seinen Lebensabend auf Staatskosten im Exil verbringen.
Die Zukunft des Landes scheint sich zumindest in näherer Zukunft zum Guten wenden zu können, jedoch bleibt abzuwarten, welche Veränderungen mit dem eventuellen Sturz Mugabes einher gehen, oder ob die Dominanz von Mugabes Zanu-Partei sich nach einer halbherzigen Konsolidierung des Staates erneut einbetonieren wird.
Aktuelle Meldung zur erneuten Festnahme Morgan Tsvanirais

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