Mord innerhalb der eigenen Familie – Die Ausrottung der Menschaffen

Die Familie der Menschenaffen umfasst vier Gattungen: Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Mensch. Nun droht eben dieser Mensch, der sich selbst als sapiens, „wissend“ tituliert hat, seine nächsten Verwandten, die er im Lauf der letzten 10.000 Jahre schon immer weiter in die entlegensten Gebiete der Welt zurückgedrängt hat, den Todesstoß zu versetzen.
Schon lange stehen alle Menschenaffen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten der IUCN und werden nun wohl innerhalb der nächsten Jahre entgültig aussterben. Im Folgenden werde ich vier der bekanntesten Arten, ihre Lebensräume und ihre Zukunftsaussichten darlegen.
Der Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
Ehemals von Südchina bis nach Java verbreitet, kommt der Orang-Utan („Waldmensch“) in freier Wildbahn heute nur noch auf den beiden indonesischen Inseln Borneo und Sumatra mit einer Gesamtpopulation von vielleicht noch 30.000 Exemplaren vor. Durch den Raubbau an der Natur ist seine Population in den letzten 15 Jahren um 50% (!) zurückgegangen. Schreitet diese Entwicklung weiter fort, was anzunehmen ist, wird der Orang-Utan wohl spätestens bis zum Jahr 2025 ausgestorben sein.
Er wird 12,-1,5 m groß und wiegt je nach Exemplar und Geschlecht zwischen ca. 40 (Weibchen) und 90 (Männchen) Kilogramm. Im ökologischen System des indonesischen Regenwaldes nimmt er eine wichtige Schlüsselposition ein, da er maßgeblich zur Verbreitung von Samen beiträgt.
Da der Orang-Utan die meiste Zeit seines Lebens auf den Bäumen verbringt und sich größtenteils von Früchten und anderen Pflanzenteilen ernährt, wird er besonders durch den Rückgang der Sumpf- und Bergwälder bedroht. Zum einen treibt der illegale Raubbau an Edelhölzern die Menschen immer weiter auch in schwer zugängliche Waldgebiete, in die sich die Orang-Utans bisher zurückziehen konnten. Zum anderen sorgt die „klassische“ Brandrohdung zur Siedlungs- und Nutzraumerweiterung des Menschen für eine zunehmende Zerstörung des Waldes.
Größtes Problem stellt jedoch die Ausweitung der Palmölindustrie dar. Der weltweite Bedarf von Palmöl steigt stark an, vor allem zur Herstellung von Biodiesel, Lebensmitteln wie Margarine und natürlich Kosmetika. Der Lebensraum des Orang-Utans wird so immer weiter eingeengt, verirrte Affen in Plantagen werden erschlagen oder gefangen und anschließend verkauft.
Was uns zu einem weiteren Problem führt: Seit Orang-Utans in den 1980ern vermehrt in Fernsehproduktionen auftraten, hat sich vor allem in Asien der Trend entwickelt, die emotionalen und anhänglichen Tiere als Haustiere zu halten.
Wilderer schießen im Wald auf Orang-Utan-Mütter, die so samt ihren Kindern aus den Bäumen fallen. Die Kleinen werden dann ihren sterbenden Müttern entrissen und auf regionalen Märkten für umgerechnet 10-15 Euro an größere Händler verkauft. Der Preis, den Orang-Utans auf dem internationalen Schwarzmarkt erzielen, liegt bei mehreren zehntausend Euro. Bei ihrem Endkäufer leben sie meist unter völlig unzumutbaren und artfremden Bedingungen und sterben meistens irgendwann an Depressionen. Jedoch überlebt von vier gefangenen Orang-Utan-Jungen nur eines den Transport und die Hälterungsbedingungen der Zwischenhändler, so dass insgesamt fünf Tiere für ein lebendes Exemplar ihr Leben lassen müssen. Aufgrund der äußerst geringen Vermehrungsrate stellt der flächendeckende Fang der Tiere eine wirkliche Bedrohung für die ohnehin schon kleinen Populationen dar; weil die Kleinen aber bis zu acht Jahre bei ihren Müttern bleiben und diese immer nur jeweils ein Junges aufziehen, kann ein weibliches Tier kann in seinem Leben so maximal vier bis fünf Kinder groß ziehen.
Organisationen wie die Balikpapan Orangutan Survival Foundation (BOS) versuchen der drohenden Ausrottung mit verschiedenen Maßnahmen entgegen zu wirken:
Sie versuchen, gefangene Tiere aus den Händen der Händler zu befreien, nachhaltige Aufklärungsarbeit in der örtlichen Bevölkerung zu leisten, gefundene und eingesammelte Tiere in sogenannten Rehabilitationsstationen, ärztlich zu untersuchen und sie für ein Auswildern in intakten Regenwaldgebieten der Region fit zu machen.
Gorilla (Gorilla gorilla)
Gorillas sind die größten rezenten Primaten und unterteilen sich in zwei Unterarten, den Flachland- und den Berggorilla. Sie leben in den tropischen Regenwäldern Zentralafrikas, der Flachlandgorilla im Gebiet der Staaten Nigeria, Äquatorialguinea, Gabun und der Republik Kongo, während der Berggorilla nur in einem recht kleinen Gebiet in Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo beheimatet ist.
Sie leben in Verbänden von bis zu 20 Tieren, denen ein Silberrücken vorsteht, d.h. heißt ein altes, erfahrenes Männchen, welches als einziges das Recht hat sich mit den Weibchen zu paaren. Wird ein Silberrücken seiner Stellung als Beschützer der Gruppe nicht gerecht, wird er von den Weibchen vertrieben und ein anderes Männchen nimmt seinen Platz ein.
Da Gorillas ausgeprägte Vegetarier sind, müssen sie täglich große Mengen Nahrung zu sich nehmen und verbringen einen großen Teil des Tages damit, zu fressen.
Von den afrikanischen Dolmetschern karthagischer Seefahrer wurden sie als „haarige Menschen“ bezeichnet, was eine Parallele zur Namensgebung der Orang-Utans aufweist: Auch sie wurden, ob nun mystifizierend oder nicht, als „Menschen“ bezeichnet, womit man zumindest indirekt eine Verwandtschaft oder zumindest eine Wesensähnlichkeit zwischen Menschen und Menschenaffen feststellte und akzeptierte.
Die Gorillas sind vor allem durch Wilderer bedroht, die sie des Fleisches wegen jagen. Dieses sogenannte „bushmeat“ wird über ganz Zentralafrika verkauft, auch wenn die meisten Tiere zum Eigenbedarf der Holzfäller, Jäger und Minenarbeiter getötet werden, die immer weiter in die Refugien und Nationalparks eindringen, in denen die Tiere eigentlich geschützt sein sollten.
Der Abschuss einzelner Tiere stellt aufgrund der so entstehenden Lücken im sozialen Gefüge der Gorillas ein schwerwiegendes und langzeitig bestehendes Problem für die jeweilige Gruppe dar. Zusätzlich belastet sind die Populationen durch die recht langsame Vermehrungsrate der Tiere, die wie wir Menschen eine Tragzeit von 8-9 Monaten haben. So kann die organisierte Jagd kaum durch neuen Nachwuchs kompensiert werden.
In freier Wildbahn leben insgesamt noch maximal 100.000-150.000 Tiere, Tendenz stark sinkend. Die langanhaltenden Bürgerkriege in den Staatsgebieten, auf denen die Gorillas leben, hatten zwei Auswirkungen zur Folge: Zum einen stiegt das Töten aufgrund nahrungssuchender Söldnergruppen noch zusätzlich rapide an, zum anderen konnten die Nationalparks und Schutzgebiete kaum noch kontrolliert werden.
Seit 2000 bedroht ein neues Problem die sanften Riesen: Durch den Mensch eingeschleppte Ebola-Viren raffen Gorillas und Schimpansen in den Nationalparks dahin.
Traurige Berühmtheit erlangte bekanntlich Diane Fossey, die weitgehende Verhaltensstudien über die Tiere anstellte, ja, sogar zeitweise unter den Affen lebte. Durch ihren beherzten und selbstlosen Einsatz für die Gorillas hat sie sich viele Feinde gemacht und wurde im Dezember 1985 schließlich unter ungeklärten Umständen ermordet.
Schon 1978 gründete sie den Diane Fossey Gorilla Fund, der versucht, die seltenen Berggorillas durch verschiedene Maßnahmen zu schützen, worunter die Ausbildung und Unterstützung von Park-Rangern ebenso fällt, wie die umfassende Sammlung von demografischen und biologischen Daten und die Zusammenarbeit mit ähnlichen Schutzprojekten, teilweise auch auf internationaler Ebene.
Ebenso rief der Europäische Zooverband (EAZA) eine Kampagne gegen den Handel mit „bushmeat“ ins Leben, durch die der Handel mit Wildfleisch (nicht nur dem von Gorillas) bekämpft werden soll. Dabei versucht man auch Druck auf die EU auszuüben, die durch ihre koloniale Vergangenheit Hauptgeldgeber der zentralafrikanischen Staaten ist.
Durch die Ebolaseuche wurde das Aussterben der Gorillas enorm katalysiert; so könnte der Flachlandgorilla schon in vier Jahren (!) ausgestorben sein, zwischen 2001 und 2005 starben allein in einem 2.700 km² großen Gebiet der Dem. Rep. Kongo und des Gabun 5.500 Tiere.
Gemeiner Schimpanse (Pan troglodytes) / Bonobo (Pan paniscus)
Schimpansen, besonders die Bonobos, sind dem Menschen zumindest vom genetischen Erbmaterial her am ähnlichsten. Sie leben in patriarchalisch (Schimpansen) bzw. matriarchalischen (Bonobos) Verbänden und zeigen erstaunliche, von den meisten Wissenschaftlern inzwischen als „Kultur“ bezeichnete Verhaltensmuster. Somit ist der Alleinanspruch des Menschen auf die Schaffung von Kultur mehr als hinfällig. Sie benutzen Werkzeuge zum Nahrungserwerb, organisieren Jagden auf kleinere Waldtiere wie Ducker (eine Antilopenart), entwickeln weitegehende Problemlösungsstrategien und Traditionen und führen teilweise sogar regelrechte Kriege gegen andere Schimpansengruppen. Ähnlich wie Orang-Utans und eben auch Menschen masturbieren sie auch.
Schimpansen und Bonobos sind Allesfresser, auch wenn der Anteil an pflanzlicher Nahrung deutlich überwiegt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Südwest- und Zentralafrika, während Bonobos (im Volksmund auch „Zwergschimpansen“ genannt) jedoch ausschließlich Regenwälder bewohnen, haben sich die Gemeinen Schimpansen auch bis in Savannengebiete verbreitet. In freier Wildbahn können sie bis zu 50 Jahre alt werden.
Sie sind den gleichen Problemen wie Gorillas ausgesetzt: Wilderer verkaufen ihr Fleisch bis in die großen afrikanischen Metropolen wie Kinshasa und das Ebola-Virus setzt ihnen stark zu. Außerdem wurden sie in den 1950er und 60er Jahren auch als Versuchstiere in Labors benutzt. Inzwischen sind sie stark gefährdet, es existieren in freier Wildbahn vielleicht noch gerade 100.000 Schimpansen, während die Zahl der Bonobos mit ca. 12.000 Tieren wesentlich geringer ist.
Schlusswort
Der Klimawandel hat eine wahre Umelt-Hysterie ausgelöst. Von den weitreichenden Folgen wird gesprochen, von Gegenmaßnahmen, und ebenso rücken skandalöse Herunterspielungen der USA oder Chinas in den Blickpunkt der Medienberichterstattung. Von großen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt wird gesprochen, unter anderem, dass in Zukunft 20-30 Prozent der bekannten Tier- und Pflanzenarten aussterben werden.
Ob die Klimaveränderung zwanghaft menschengemacht ist, bleibt weiterhin umstritten; während der Antike und des Mittelalters gab es Kalt- und Warmperioden, bei denen weitaus heftigere langfristige Temperaturausschläge zu verzeichnen waren als heute. Positiv ist jedoch, fern von dieser Problemstellung, dass ein neues Umweltbewusstsein aufkommt. Jedoch muss dieses in fruchtbare Bahnen gelenkt werden. Denn abseits des Klimawandels, auf den die Natur mit evolutionärem Fortschreiten und nicht mit einem apokalyptischen Untergangsszenario, wie von den Medien oft dargestellt, antworten wird, haben wir es durch konventionelle Methoden (Rohstoffgewinnung, Lebensraumerweiterung etc.) geschafft, große Bereiche der weltweiten Biodiversität zu zerstören.
Für die Menschenaffen wird letztendlich jede Hilfe zu spät kommen. Sie geraten in die unnachgiebigen Mahlsteine ökonomischer Nachfrage-Mühlen, und das mangelnde Interesse de Müller, diese Vorgänge zu verändern. Der genetische Pool der verbleibenden Tiere in Zoos, Privatbesitz und vielleicht einigen wenigen Refugien wird auf Dauer nicht helfen, die Spezies am Leben zu halten, und wäre ein mehr als hilfloser Versuch des Menschen, seine Unfähigkeit im Umgang mit der Natur zu verdecken.
Die Zerstörung der Artenvielfalt lässt sich nicht auf den doch recht anonymen Klimawandel schieben, der keine individuellen Schuldsprüche fällt, sondern die gesamte Menschheit kollektiv aber eben anonym anklagt und eine gewisse Relativierung der Einzelschuld zulässt, nein, sie ist vor allem in dem brutalen Raubbau an den Ressourcen begründet, die mangelnde Bereitschaft, auf einen krösusartigen Lebensstandard und unendliche Produktionssteigerung zu verzichten. Und daran sind nicht die großen Konzerne, die global player, Schuld. Denn – wir sind die Nachfrage. Natürlich kann an dieser Stelle zu Recht gefragt werden, was diese Feststellung soll. Wie sollte man denn sonst unseren Lebensstandard halten? Kaufen wir etwa die Metallbarren, die aus den Erzen der Minen der Dem. Rep. Kongo gegossen werden? – Ja, indirekt schon.
Ein Umlenken ist nicht in einem derartigen marktwirtschaftlichen Rahmen möglich, sondern würde umfassende Maßnahmen zur Folge haben, die ein direktes Ausrichten der Wirtschaft auf die Erhaltung der Natur zur Folge haben müsste. Wie das zu erreichen ist? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß nur, dass wir, wenn wir so weiter machen, nicht nur unsere eigene Familie umgebracht haben werden. Mit jedem Jahr bringen wir auch unsere eigene Art näher an den Rand der Vernichtung. Am Ende wird es überhaupt niemanden aus der Familie der Menschenartigen geben, die sich evolutionär verändern könnten. Und auch niemanden, der darüber berichten kann.
Müssen Millionen Arten aussterben, damit eine einzige ihr eigenes Dahinsiechen noch um ein paar Jahrhunderte verzögern kann?
Links/Quellen:
Orang-Utan:
BOS Deutschland e.V. : Bericht über Palmölplantagen
WWF Deutschland über die Bedrohung des Orang-Utans
heise.de über Verhaltensmuster von Orang-Utans
Gorilla:
The Diane Fossey Gorilla Fund
Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e.V.
Bushmeat-Kampagne der EAZA
heise.de über die Bedrohung der Gorillas durch Erzabbau
Hamburger Abendblatt über Bedrohung der Gorillas durch Ebola
Linkliste zum Thema Gorilla und -Schutzmaßnahmen
Naturschutz-erleben.de : Gorillas und Tourismus
WWF über die Ebola-Epedemie unter zentralafrikanischen Großaffen
Schimpansen:
Jane Goodall Institut Deutschland

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