US-Vorwahl: Der wahre Gewinner der Vorwahlen

Bis morgen noch dauert der Karneval in Deutschland und damit stehen bei uns in diesen Tagen Frohsinn und Närrisches im Vordergrund. Irgendwie auch eine Art Erholung, die wir nach dem Trauerspiel einiger Kandidaten bei den verpatzten Landtagswahlen in Hessen bitter nötig haben. Keiner von uns ist gefragt worden, wen wir uns an die Spitze der von uns bevorzugten Partei wünschen. Anders in den USA: die Vorwahlen zur Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten finden dort am Dienstag ihren (vorläufigen) Höhepunkt. Dann gehen Bürger aus 22 Staaten an die Urnen. Zwar wissen wir noch nicht, wer als Sieger daraus hervorgehen wird. Aber der größte Gewinner dieser Wahlen steht bereits jetzt fest: Die Demokratie.
Während bei uns der normale Bürger – egal, ob er nun Parteimitglied ist oder nicht – bei der Kandidatenkür nichts zu suchen hat, ist das in den USA Sache der Wähler. Positiv ist auch, dass die ersten Vorwahlen in eher kleinen Provinzstaaten wie New Hampshire oder Iowa stattfinden. Die Kandidaten werden dort durch ganz normale Bürger auf Herz und Nieren geprüft und genau unter die Lupe genommen. Dabei kommt es natürlich auch vor, dass die Kandidaten auf Menschen stoßen können, die nicht zu schüchtern sind, auch die unangenehmsten Fragen zu stellen. Da wird auch die schmutzigste Wäsche gewaschen, und mehr als ein stolzer Adler ist schon als mageres Suppenhuhn zu Boden gegangen.
Der große Vorteil dieses Systems ist aber, dass auch Außenseiter eine Chance haben, nominiert zu werden. Deutsche Parteien schotten sich gerne gegen alles ab, was von außen kommt: Durch die Macht über Kandidatenauswahl und Platzierung auf den Wahllisten kann der innere Parteizirkel die Abgeordneten disziplinieren – und es wäre naiv zu glauben, dass so etwas nicht auch geschieht.
Kritiker an diesem System leben zuweilen gefährlich, wie kürzlich wieder Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement erfahren musste und er muss aufpassen, dass er nicht aus der SPD ausgeschlossen und für jede deutsche Partei untragbar wird. Dabei kann man zu Aussagen wie: „Dass die Aufstellung von Wahllisten der Parteien hierzulande immer noch wie eine Verschlusssache gehandhabt wird, ist Anachronismus und einer Demokratie nicht würdig.“ meiner Meinung nach nur sagen: Gut gebrüllt Löwe! Sicher, das amerikanische Wahlsystem mit seinen Wahlmännern ist kompliziert und weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber die Amerikaner gewinnen mit ihrem Vorwahlsystem an Glaubwürdigkeit, wenn sie ihr Land wieder einmal als die größte Demokratie der Welt feiern.

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