John Rambo und das Leid der Karen

Sylvester Stallone alias „The Italian Stallion“ ist wieder als traumatisierter Vietnam-Veteran John Rambo auf die Kinoleinwand zurückgekehrt und mäht mithilfe eines stationären Maschinengewehrs gleich ganze Züge bitterböser burmesischer Regierungstruppen nieder, die ein paar idealistischen Missionaren ans Leder wollen. Diese wiederum hatten sich in einem kleinen Boot vom Protagonisten von Thailand aus über die Grenze nach Burma schmuggeln lassen, um dort den Einwohnern eines kleinen Karen-Dorfes Aufbauhilfe zu leisten.
Der Hintergrund des genretreuen Filmes birgt jedoch einen ernsten Kern. Ja, man kann es kaum glauben, neben all den rauchenden Patronenhülsen, körperwarmen Blutspritzern und dem inzwischen arg zerknautschten und gealterten Gesicht des Hauptprotagonisten gibt es einen – daueraktuellen – politischen Bezug: Die Volksgruppe der Karen, einem Bergstamm im Grenzgebiet zwischen Burma und Thailand beheimatet ist, wird schon seit 60 Jahren von der Zentralregierung „Hauptstadt Burma“ unterdrückt und verfolgt.
Ausgelöst durch fehlende Mitsprachemöglichkeiten bei der Bildung des neuen Staates aus vorherigen britischen Kolonien bildeten sich 1948 aus verschiedenen ethnischen Minderheiten wie den Karen und den Shan bald Gruppierungen, die eine Löslösung vom burmesischen Staatskörper anstrebten und dies in verschiedenen Flügeln auch gewaltsam zu erreichen versuchten. Es folgten starke Repressionen der Zentralregierung, die weit über eine bloße Beruhigung der Situation hinausgingen und keine nachhaltige integrative Festigung des ethnischen Gesellschaftsgefüges anstrebten, sondern – im Gegenteil – in einem nicht endeten Unterdrückungskrieg mündeten.
Hunderttausende von Flüchtlingen leben inzwischen in dreckigen, sanitär unzureichend ausgestatteten Lagern auf thailändischem Boden. Und der Krieg geht weiter.
Vielleicht trägt der Film „John Rambo“ dazu bei, dass das Schicksal der Karen und anderer Minderheiten in Burma wieder etwas näher in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rutscht, und geht nicht vollkommen unbemerkt hinter den Gewaltorgien des Filmes unter. Vielleicht.
Näheres zu den Ursprüngen und dem Verlauf des Konfliktes findet sich auch in unserem Kriegsarchiv:
Myanmar (Sezessionisten)
Weiterführende Links zu dem Thema:
www.hrw.org: Burma: Army and Its Proxies Threaten Refugee Camps
SZ: Massenmord am Volk der Karen – Gepeinigt im gelobten Land
Spiegel: Burma schießt auf Rambo
Spiegel: Rambos Rückkehr – Blut, Schweiß und Mähne

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