Internetsperren: Deutschland wird China

Nun ist es also amtlich: Die Mehrheit der großen Internetprovider machen bei einer freiwilligen Zugangserschwernis im Internet mit.

Der Stammleser wird es schon vermuten, dass als Begründung Kinderpornos herhalten müssen. Unsere Familienministerin Ursula von der Leyen begründet es so:

80 Prozent der Nutzer würden „per Zufall und aus Neugier“ auf kinderpornographischen Webseiten landen. Dort habe man sich bisher Filme runterladen können, „die das Zerfetzen der Kinder zeigt“. So hätte der Eindruck entstehen können, „dass das etwas sei, was viele machen“. Das habe die Hemmschwelle gesenkt. User seien „angefixt“ und dann in schwerer zugänglich Foren für Pädophile gelockt worden. Nun würden die Verbindungen zu entsprechenden Webseiten von vornherein unterbunden.

Also quasi das wovor Mutter früher immer gewarnt hat: Drogendealer die auf dem Schulhof kleine Kinder durch manipulierte Bonbons drogensüchtig machen.

Wenn man einmal ein zerfetztes Kind sieht, so wird man davon Abhängig und will mehr. Ich bin anscheinend in einem anderen Internet unterwegs, denn zerfetzte Kinder kenne ich nur von Nachrichtenseiten die über den Irak, Afghanistan oder Gaza berichten und das fixt definitiv nicht an.

In einem anderen Satz geht es dann bereits nicht mehr um KiPo Seiten, sondern auch um darum „Seiten, die Vergewaltigungen zeigen, zu sperren“. Morgen sind es dann BDSM Seiten, übermorgen Terroristenseiten und übermorgen Killerspielseiten. Hier wird kriminalisiert was das Zeug hält.

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Kinderpornos sind zu bekämpfen – doch wenn die Domains bekannt sind, so hat man auch die Serverstandorte. Hier wird doch wieder nur an den Symptomen herumgedoktort. Das Missbrauchsrisiko bei solchen Sperren ist einfach zu groß.

Sperrlisten sollte man übrigens nicht veröffentlichen, gerade gestern wurde deshalb eine Hausdurchsuchung wegen Gefahr in Verzug durchgeführt.

Udo Vetter berichtet heute auch vom Phantom Kinderpornoindustrie.

Ein Gutes hätte es ja:

Die Provider müssten Ihre AGBs ändern, sollte man nicht zustimmen und einen 24 Monatsvertrag haben, so werden sie einem evtl. kündigen.

3 Kommentare

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Robert M
26. März 2009 um 11:42

Wer sich nur ein wenig mit Computern auskennt, weiß dass die Ideen der Frau von der Leyen nur Augenwischerei sind und ohne großes Wissen umgangen werden können. Viel mehr versucht die Regierung auszuloten, wie weit sie mit einem orwellschen Staat gehen kann.

Malakim
26. März 2009 um 13:27

Ich bin Internet User der ersten Stunde und ich bin NOCH NIE auf Kinderpornos gestoßen. Ich halte es schlicht für eine Lüge man könne da leicht ausversehen auf solchen Internetseiten landen.

InternetGuru
1. April 2011 um 20:43

Was bringt es eine Website zu schließen, wenn die Pädos sich DVDs und NewsGroups bedienen, eigene FTP Server nutzen und sonstige Kanäle die nicht vom Normal-User eingesehen werden können? KiPo ist bereits verboten, und die Betreiber die sowas auf dem Server haben müssen diese stärker kontrollieren und Strafanzeige stellen, private Serverbetreiber müssen ausfindig gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden.
Eine Sperre/Blockade oder was auch immer schützt den Pädo und schadet den, der wirklich mal aus Versehen draufklickt. Wobei ich auch noch nie auf KiPo gelandet bin.
Diejenigen die KiPo erstellen, und diejenigen die es verbreiten müssen hoch bestraft werden, also Problem an der Wurzel packen. Die Ausrede „bei ausländischen Servern z.B. aus dem Osten können wir nichts machen“ ist echt traurig, hier sollte die EU, Interpol oder sonstwer mal das Gesetz anpassen, für jeden sch… kann man das, also wieso gehts hier nicht?
Internetsperren könnten von Obrigkeiten auch dazu ausgenutzt werden „staatsfeindliche Inhalte“ zu sperren unter dem Vorwand der KiPo Bekämpfung.

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