Mein Weg in die Koffeinsucht

isomac maverick Bis zu meinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr konnte ich weder den stetigen Kaffeekonsum meiner Mitmenschen verstehen und erst recht nicht begreifen, warum man dieses braun eingefärbte Wasser als Genuss bezeichnet. Immer wieder fielen mir verärgerte Kollegen auf, die leere Thermoskannen in der Hand hielten und grummelnd neuen Kaffee aufsetzten oder Mitarbeiter, die ohne ihren morgendlichen Kaffeepott einen Eindruck erweckten, der mir sagte, sie lieber nicht wegen Belanglosigkeiten anzusprechen.

Doch nachdem ich eine Weile in der Firma war, trieben mich die Müdigkeit, Langeweile und nicht zuletzt der soziale Druck zur ersten Tasse Kaffee meines Lebens. Dieser erste Kontakt mit der Kaffeebohne gehörte nicht zu den besten Erfahrungen in meinem kulinarischen Experimenten und eigentlich wurde das Heißgetränk auch nur durch die beigefügte Milch für meine Geschmacksnerven erträglich. Koffein hatte ich ja bis dato nur in Form von Coca Cola zu mir genommen und wurde ich nicht wirklich wacher und ein wenig belebter?
Von diesem Tage an, erwischte ich mich immer häufiger, wie ich mir eine Tasse Kaffee im Büro gönnte und wahrscheinlich gab es bereits ab diesem Zeitpunkt kein Zurück mehr. Es handelte sich noch um normalen Filterkaffee. Schön wässrig und dünn. In dieser Zeit war mir noch nicht klar, dass ich diesen Brühkaffee, eigentlich nur als Brühplörre bezeichnen kann und er nichts, aber auch gar nichts mit richtigem Kaffee zu tun hat.
Eines Tages wollte ich auch zu Hause nicht mehr auf diese Art von Heißgetränk verzichten und so begann meine Suche, die Suche dem ultimativen Kaffee für Geschmacksnerven und Geist.
Mir war natürlich in der Anfangszeit noch nicht klar, was man alles bedenken muss und wie komplex das Thema Kaffee betrachtet werden kann.

So kam ich auf die Senseo Maschine mit Pad. Es gab zwei Beweggründe für diesen unüberlegten Kauf.  Zum einen dachte ich mir, Senseo ist ein Markenname und zum anderen wurden die neuen Pad-Maschinen gerade überall angepriesen. Praktisch, genau das richtige für mich senseound endlich richtigen Kaffee. Jetzt im Nachhinein kann ich selber nicht mehr verstehen, wie ich auf ein kleines Behältnis herein fallen konnte, in dem kleine Einzelportionen Kaffeepulver in speziellen Filtern stecken, die mit einem äußerst geringen Wasserdruck von < 3 Bar  in große Kaffeetasse gepumpt werden. Wo ist denn da der wirkliche Unterschied zum herkömmlichen Aufbrühen?  Eine Weile fiel es mir gar nicht so richtig auf, ich erfand immer mehr Entschuldigungen für mich selber, warum mir der Kaffee immer weniger schmeckte. „Heute ist einfach kein Kaffeetag“, „Du hast gerade was gegessen, dazu passt der Kaffee einfach nicht“, „Das bilde ich mir doch jetzt nur ein.“

Ewig konnte ich mich nicht selbst täuschen und gestand mir ein, das Senseo Kaffee einfach fad, ekelhaft und dünn schmeckt. Da muss es doch was besseres, etwas Stärkeres geben? Ich begann mich durch diverse Padsorten zu testen. Stärker, gibt es denn nichts Stärkeres? Worte wie: Vollmundig, Herb, geschmacksintensiv, waren in diesem Zusammenhang noch keine Begriffe für mich. Nach etlichen Fehlschlägen und unzähligen Bestellungen sämtlicher Padsorten, beschuldigte ich meine Maschine, der Übeltäter zu sein und orderte mir eine Nespresso LeCube Maschine, jetzt endlich sollte meinem Glück nichts mehr im Wege stehen. Dabei war es mir egal, dass die einzelnen Coffeeshots immer teuer wurden, alleine bei Nespresso ließ ich um die 40 Euro pro Kilo – aber was tut man nicht alles um endlich einen genießbaren Kaffee zu trinken.

Doch auch dieses Mal wurde ich aufs Bitterste enttäuscht, wo ich mich doch so sicher gefühlt hatte. Denn obwohl ich mir auch für mein neues Model stets die stärksten Espressokapseln gönnte, holte mein Gaumen mich nach ein paar Monaten wieder in die Realität zurück. Ich wollte schon aufgeben und war schon fast an dem Punkt, an dem ich mir sagen wollte „ Kaffee ist einfach nichts für dich, lass es doch einfach!“

Doch die Sucht war stärker, ich wollte einen letzten Versuch starten, nur noch einmal, dann höre ich einfach auf! Die Dolce Gusto Maschine zog nun bei mir ein. Schon vom Design her war es etwas neues, vielversprechend, diesmal musste es einfach klappen. Davon war ich überzeugt, aber nur so lange, bis ich feststellen musste, das ein blaues Model zwar am besten zu meiner Küche passt, aber eigentlich am schlechtesten zu meinen Vorstellungen was Kaffee betrifft. Alles was halbwegs möglich war, war die Bewirtung von Gästen, die gerne Cappuccino oder Latte Macchiato tranken. Trinkbaren Espresso konnte man damit gar nicht machen und damit zählte das nicht als wirklich letzter Versuch, ich hatte also noch einen Kauf frei.

spidem trevi chiaraDieses mal wollte ich alles richtig machen, was noch dadurch verstärkt wurde das meine neue Freundin genauso Kaffeesüchtig war, wie ich. Wir hatten uns in einem Cafe in der Hauptstadt kennen gelernt und testeten in unserer Freizeit viele andere Coffeeshops, also wussten wir wie es zu schmecken hat. Trotzdem kam bei der Neuanschaffung unser Geiz und die Bequemlichkeit durch. Wir entschieden uns fälschlicherweise für eine Vollautomaten – die Spidem Trevi Chiara sollte es sein. Die Begeisterung am Anfang war groß. Geschmacklich war es ein absoluter Unterschied, zu allen Geräten, die ich bisher hatte. Eine Art Zufriedenheit stellte sich ein, nun konnte ich endlich loslegen und mich durch verschiedenste Bohnenarten testen. Zuerst griff ich zu herkömmlichen Supermarktbohnen wie Lavazza und Co. Diese Bohnen befriedigten mich aber nur für eine Weile. Dann suchte ich das Internetforen auf, in denen sich noch schlimmere Kaffeejunkies austauschten und entdeckte dort die Bohne meiner Wahl: Brus Chiccoreme.

 

Es dauerte keine vier Monate, bis mich erneute Probleme plagten. Weder der Cappuccino, noch mein geliebter Espresso waren von konstanter Qualität. Ganz von der Tagesform des Vollautomaten abhängig und der Milchaufschäumer versagte nun auch noch seinen Dienst. Es war zum Verzweifeln, wo hatte mich meine Sucht nur hingetrieben. Als ob ich mich nicht schon genug ärgerte, berichtete die Presse nun auch noch von Schimmelablagerungen und Keimbildung und bezeichnete einen Vollautomaten als Brutstätte für Bazillen. Meine Beziehung zur Spidem Trevi Chiara war nun nicht mehr zu retten, nach knapp sechs Monaten trennten sich unsere Wege durch einen tragischen Zwischenfall. In einem Zustand geistiger Umnachtung goss ich das Wasser nicht in den Wassertank, sondern versehentlich in das Mahlwerk. Ich hatte mir zwar eine neue Maschine gewünscht, aber so schnell sollte es dann doch nicht gehen.
Die grausamsten Tage meines Lebens sollten nun folgen. Kaffeeentzug. Mit dem aufgebrühten Kaffee konnte ich meinen Gaumen nun nicht mehr täuschen und nach dem dritten McCoffee brachte auch das keine Befriedigung mehr. Alles was ich davon bekam war ein schaler Belag auf meiner Zunge. Die Coffeeshops in Berlin waren da schon weitaus attraktiver, aber für einen Kaffee jedes Mal eine 1,5 Stunden Fahrt zu unternehmen? Das konnte ich selbst unter diesen Bedingungen nicht vor mir rechtfertigen.

delonghi_ec_330sSeit einigen Wochen steht nun ein Siebträger DeLonghi EC 330S auf meiner Arbeitsplatte, direkt neben der Mühle Solis Scala. Nach langem hin und her probieren habe ich mich für Bohne New York Extra entschieden. Die kostet mich zwar auch ca. 30 Euro pro Kilo, aber diese Kaffeesorte schmeckt im Gegensatz zu Nespresso Kapseln.

Seit ein paar Tagen fühle ich mich allerdings vom extremen Tropfen gestört und dem damit verbundenen Dreck, der durch das viel zu kleine Abtropfbecken hervorgerufen wird. Also kam ich quasi von der Keim- zur Dreckschleuder.

 

Auch wenn ich dagegen ankämpfe, so schaue ich nun doch schon ab und zu mal in de Kleinanzeigenteil des Kaffeeforums – und liebäugele mit anderen Maschinen.
Meine Suche nach dem perfekten Kaffee wird weiter gehen, bis sie eines fernen Tages von Erfolg gekrönt ist.

7 Kommentare

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beate
2. April 2010 um 22:40

wir tinken zu hause nur hand gebrühten kaffee, der schmeckt uns am besten.

grüße beate

PAX
3. April 2010 um 11:16

Na das ist ja eine Odyssey!
Bei mir beginnt die Suche erst. Zu Hause steht eine Krups Filtermaschine… Der Kaffee ist ok, der im Büro ist viel schlimmer, aber seit ich in Neapel war, ist es eigentlich vorbei! Der Kaffee den ich dort genossen habe, drängt mich dazu den Kaffee, den ich in Deutschland kennen gelernt habe, nicht mehr als Kaffee bezeichnen zu können

Öffentliches Bekenntnis zur Koffeinsucht,… – Blogger, Shirt, Supply, Mehr, Provinzblogger, Aktion – Der Provinzblogger
23. April 2010 um 10:01

[…] zur Aktion für Blogger gibt es hier und mehr zu meinem Weg in die Koffeinsucht hier. Ähnliche Artikel:Kostenlose Weltkarte für alle Twitterer und Blogger Da ich ja […]

Johnny
29. Dezember 2010 um 12:31

Hui.
Ein interessanter Artikel. Ich selbst habe meinen Weg in die Kaffee-Sucht gegen Ende meiner Schulzeit gefunden und diese während des Studiums weiter ausgebaut. Damals trank ich gewöhnlichen Filter-Kaffee. Hier habe ich verschiedene Sorten unterschiedlichster Preisklassen probiert und kam zu dem Schluß, dass hier der Gold-Kaffee von Aldi der Beste ist.
Durch einen Freund, der über Senseo seine Leidenschaft für Kaffee entdeckte, kam ich auch mal in den Genuss dieses Mode-Kaffees. Der war zwar recht gut, aber nicht toll. Ich sah mich dennoch bei Mediamarkt/Saturn nach vergleichbaren Produkten um. Ich kam zu dem Schluß, dass für mich die Nestle Gusto-Maschine in Frage kommen würde, wenn die Kapseln bloß nicht so teuer wären..
Von meinen Eltern bekam ich dieses Jahr eine nicht-marken-namen-Kaffee- Pad-Maschine zu Weihnachten. Mit der Maschine bin ich sehr zufrieden 🙂
Ein Bericht dazu findet sich in meinem Blog..

Koffein-Profi
13. August 2011 um 12:20

So eine Geldverschwendung, vergiss den Geschmack!
Kauf dir Koffeintabletten oder Pulver.
Lös es unter der Zunge auf, dann schmeckst du es nicht und spül es mit einem Schluck Wasser oder was auch immer herunter.Freu dich über den Koffeinkick.
Und leg nach wenn du mehr brauchst, das ist alles viel billiger und effektiver!
Versuch deine Dosis nicht zu steigern, sondern leg mal ein paar zwischen Tage mit halber Dosis ein.
Das reicht um die Wirkung wieder zu verstärken. Nur eins darfst du nie tun, Koffein absetzen!
Ein Koffeinkater-Tag ist ein verlorener Tag. Wenn du dann über die Jahre hohen Blutdruck bekommst ist das Normal! Der geht nie wieder runter, dann mußt du Blutdruckmittel vom Arzt verschrieben bekommen, was aber nicht schlimm ist solange du sie immer nimmst.
Was du aber keinesfalls mit Koffein kombinieren darfst ist Nikotin, da es die Arterien verengt und es durch den vom Koffein erhöhten Blutdruck zu Gehirnblutungen und Infarkten kommen kann.
Achtet auf eure Cholesterinwerte und Leberwerte und meidet fettiges Essen!
Denn wer will schon mit 60 Halbseiten gelähmt sein?

Kaffee-Trinker
27. Oktober 2011 um 06:09

Haha, liest sich wie Werbung für Kaffeemaschienen! Klasse! Sehr unterhaltsam!

Nespresso Kazaar ist zurück › Provinzblogger
12. April 2016 um 23:17

[…] Kreisen weiß ich, dass in meinem Blog viele Nespresso Trinker unterwegs sind. Klar, schmeckt der Siebträger Espresso deutlich besser , man ist flexibler und der Kaffee ist preiswerter, aber für das Büro gibt es […]

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